Biographie

Manuel Charr – Auf eigene Faust zum WM-Titel

Manuel Charr ist ein echter Einzelkämpfer, der konsequent seinen Weg geht. Mit syrischen Wurzeln im Libanon geboren und vom Bürgerkrieg aus seiner Heimatregion vertrieben, kam der junge Manuel als Kind nach Deutschland. Er musste früh lernen, sich durchzusetzen und gegen Widerstände anzukämpfen. „Mir wurde nie etwas geschenkt, ich habe mir alles hart erarbeitet“, sagt Charr.




Seit 2011 ist der 28-Jährige selbständig, vermarktet sich selber und organisiert seine Kämpfe mit der „Diamond Boy Promotion“ im wahrsten Sinne des Wortes „auf eigene Faust“. Und das mit Erfolg. Seit er auf eigenen Beinen steht, hat Charr eine beeindruckende Titelsammlung angehäuft: Allein vier Champion-Gürtel des größten Box-Weltverbands WBC konnte der „Diamond Boy“ seit 2011 gewinnen. Aktuell ist er WBC Baltic, Mediterranean und Silver International Champion. Das ist einmalig – kein anderer Boxer hält so viele Titel eines einzigen Verbandes.

Mein Ziel ist es, alle Titel der WBC zu vereinen“, sagt Charr. „Am Ende steht dann natürlich die Weltmeisterschaft. Ich werde nicht eher ruhen, bis ich auch diesen letzten Gürtel um die Hüften trage.“ Im ersten Anlauf auf die WM wurde der „Diamond Boy“ am 8. September 2012 noch von einer Verletzung gestoppt. In der Olimpiyskiy Arena in Moskau forderte Charr WBC-Champion Vitali Klitschko heraus. Der Kampf wurde in über 150 Ländern weltweit live übertragen, allein in Deutschland sahen bei RTL fast zehn Millionen Menschen, wie Manuel Charr dem seit zehn Jahren ungeschlagenen Weltmeister furchtlos zusetzte.

Im offenen Schlagabtausch zog sich der „Diamond Boy“ einen Cut über dem linken Auge zu. Charr wollte weiterkämpfen, doch der Ringarzt riet zum Abbruch in der vierten Runde. „Ich habe den Kampf nicht verloren, und Vitali hat ihn nicht gewonnen“, sagt der 28-Jährige. „Vitalis Hausarzt hat für ihn entschieden. Deswegen poche ich weiterhin auf mein Re-Match. Ich habe eine zweite Chance verdient, nachdem mir die erste genommen wurde. Ich werde mir den Rückkampf erarbeiten. Und wer sich mir auf dem Weg zu diesem Ziel in den Weg stellt, den knocke ich aus!“

Große Worten, denen der „Koloss von Köln“ in den vergangenen Jahren immer wieder Taten folgen ließ. 24 Siege stehen in seinem Kampfrekord, 14 davon durch KO. Dabei musste sich Manuel Charr von Beginn seiner Profi-Karriere an immer wieder gegen starke Gegner beweisen. 2005 heuerte er beim Berliner Sauerland-Stall an. Obwohl er vorher ein erfolgreicher Kickboxer gewesen war und eine makellose Amateur-Bilanz von 11 Siegen in 11 Kämpfen vorweisen konnte, musste sich der damals 20-Jährige erst mal im Sparring gegen die absolute Weltspitze beweisen.

Charr überzeugte Promoter Wilfried Sauerland vor allem im Sparring gegen den 2,13 Meter großen „Russen-Riesen“ und späteren WBA-Weltmeister Nikolay Valuev und bekam seinen ersten Profi-Vertrag. Im letzten Kampf für Sauerland besiegte er den Vize Olympiasieger Pedro Carrion aus Kuba. „In der Zeit habe ich sehr viel gelernt. Dafür bin ich sowohl Herrn Sauerland als auch meinem ersten Profi-Trainer Uli Wegner nach wie vor sehr dankbar.“
2008 wechselte der „Diamond Boy“ von Berlin nach Hamburg und von Sauerland zu Universum Box-Promotion, dem zu dieser Zeit größten Boxstall Europas unter der Leitung von Klaus-Peter Kohl und Dietmar Poszwa. Sportlich blieb Charr damit in der absoluten „Champions League“. Sein neuer Trainer wurde Fritz Sdunek, der auch schon Dariusz Michalczewski und beide Klitschko-Brüder betreut hatte.

„Es gibt nicht viele Leute, die von sich behaupten können, dass sie mit den beiden besten deutschen Trainern gearbeitet haben: Uli Wegner und Fritz Sdunek“, sagt Charr. „Bei Universum machte ich noch mal einen deutlichen Sprung nach vorne. Es war genau der richtige Schritt zur richtigen Zeit und wichtig für meine Entwicklung.“ Von Beginn an wurden dem „Diamond Boy“ starke Gegner wie Im Stallduell gegen den damals ungeschlagene Gbenga Oloukun oder die erfahrenen Sherman „Tank“ Williams, Owen Beck und Robert Hawkins vorgesetzt. Charr lehnte nie einen Kampf ab, nahm jede Herausforderung an und ging aus jeder Schlacht nicht nur siegreich, sondern weiter gestärkt hervor. Nachdem Universum 2010 den Fernsehvertrag mit dem ZDF verlor, verließ Manuel Charr das Traditionsunternehmen.Roland Bebak holte Charr nach Köln zur Boxpromotion.

In seinem zweiten Kampf für den neuen Stall besiegte Charr am 25. Juni 2011 in der Kölner Lanxess-Arena den ehemalige Tyson-Bezwinger Danny Williams durch TKO in der 7. Runde. Es war sein 18. Sieg im 18. Profi-Kampf. Sat.1 zeigte die Veranstaltung live. Doch die Wege von Charr und Boxpromotion trennten sich, der „Diamond Boy“ beschloss, seinen Weg von nun an alleine zu gehen.

Mit Siegen über Marcelo Luiz Nascimento und Taras Bidenko sicherte sich Charr den WBC International Silver Titel, einen Platz in den Top 15 der WBC-Weltrangliste in Eigenregie als sein eigener Promoter ohne Manager.Seit 2012 arbeitet er mit seinem Cheftrainer Clive Salz. Charr  sicherte sich durch seine bisherigen Erfolge das Recht, Vitali Klitschko herauszufordern. Nach der unglücklichen Verletzung im WM-Kampf ist der „Diamond Boy“ auf dem Weg zurück an die Spitze. Mit vorzeitigen Siegen über Konstantin Airich, Yakup Saglam und Oleksiy Mazikin konnte er sich weitere WBC-Titel sichern und in der Weltrangliste wieder auf Position 8 vorschieben.

Im Sommer 2013 sollte es eigentlich zum großen Showdown gegen das britische „Großmaul“ David Haye kommen. Doch Ex-Weltmeister Haye, der sich mit gezielten Provokationen gegen die Klitschko-Brüder einen Namen gemacht hatte, zog sich eine Trainingsverletzung zu und musste den Kampf absagen.
„Haye kneift“, ist sich Manuel Charr sicher. „Doch das wird mich auf meinem Weg nicht aufhalten. Ich werde der erste deutsche Boxer sein, der ohne großen Manager oder Promoter Weltmeister wird. Die Klitschko Brüder haben sich erst von Universum getrennt, als sie schon etablierte Champions waren.

"Ich habe alle meinen Titel erst gewonnen, als ich schon selbständig war. Wie alles andere im Leben werde ich mir auch den WM-Titel selber erarbeiten.